Donnerstag, 19. April 2012

Pubertät und andere evolutionäre Entwicklungen



Sind Sie, geneigte Leserin und geneigter Leser, neben Ihrer – natürlich – eigenen Pubertät auch von der Ihrer Kinder heimgesucht worden und sind Ihnen diese wilden Jahre im Wechselbad von Gefühlen, zugeschlagenen Türen, ersten Maskara-Versuchen und Clearasil noch präsent?
Ich kann Ihnen bestätigen, dass es da zwischen unserer Spezies weniger Unterschiede gibt, als man vielleicht denken mag. Uns hat man mit zwei Ferkeln gesegnet, die ältere geht natürlich als mittlerweile erwachsene Sau längst schon eigene Wege und teilt Schlammkuhle und Stroh mit ihrem Partnereber. Bibi-Blocksberg-CDs und Hello-Kitty-Schlafanzüge sind schon seit Jahren ausgemustert, was aber natürlich nicht heißt, dass man sich mit dem kleinen Bruder abends am Esstisch nicht doch noch gerne einmal ums letzte Fischstäbchen oder die Anzahl der größeren Erdbeeren im Nachtisch streitet…Aber unser Jüngster steuert geradewegs – mit offenen Augen und ebensolchen Poren – in die Pubertät.
Man ist ja gewohnt, dass Kinder und Ferkel sich phasenweise geradezu flammend für bestimmte Trends interessieren. Lokomotivführer oder Baggerfahrer will heute keiner mehr werden, Karl-May und sein Winnetou sind so tot wie die meisten der damaligen Film-Darsteller.
Schon sehr früh zieht man dagegen eine Blitzkarriere bei DSDS – „Deutschland sucht das Superschwein“ - oder eine mehr als fragwürdige Erfolgsspur als Popstar oder Glamoursternchen oder Model in Erwägung. Gott sei Dank zerplatzen diese Irrwege bei normalen Ferkeln irgendwann und nur noch ein paar rührend blöde und peinliche versuchen mit aufgespritzten Rüsseln und Silikonzitzen sowie erbärmlichen Singstimmvolumen dann weiterhin noch ihre berufliche Zukunft in Containern, Dschungelcamps oder in Castingställen zu suchen.


Aber es gibt ja auch durchaus noch „normale“ Tendenzen:
So kenne ich kaum Eltern von pubertären Jungebern, die im Laufe der Zeit nicht Fachleute dafür geworden, welche Dinosaurier es überhaupt auf Erden schon gegeben hat, ob sie Fleisch oder eher Müsli mochten, ob sie fraßen oder gefressen wurden. Der Urkontinent Pangäa ist zeitweise präsenter als das Urlaubsziel Mallorca, im Garten ausgegrabene Knöchelchen von längst verschiedenen Kleinnagern oder Brathähnchenresten werden fachmännisch auf ihren Versteinerungsgrad geprüft und ob es sich vielleicht nicht doch um einen Jahrhundertfund aus der Kreidezeit handeln könnte.Als stolzer Eberpapa muss man vielleicht erstmalig den Familienchampion-Stuhl zugunsten des allseits präsenten Tyrannosaurus-Rex räumen, selbst wenn man ihn zuvor schon erfolgreich gegen Fußballidole von Schalke oder Bayern verteidigen konnte…


Kennen Sie eigentlich „Star Wars“, oder besser: „Schweine im Weltraum“ ?
Wenn nicht, oder nur als Relikte der Filmindustrie der späten 70er und 80er Jahre, dann machen Sie schnell einen gewaltigen Bogen darum, wenn Sie pubertäre Jungeber im Stall haben. Sollte das schon zu spät sein und Sie täglich mit - jetzt sogar in 3 D- Filmtechnik vorgeführten - Jedi-Rittern und Sternenzerstörer-Raumschiffen zu tun haben, so seien Sie versichert, dass auch das irgendwann ad acta gelegt werden wird, spätestens wenn erste scheue Küsse auf dem Nachhauseweg von der Schule oder Kuhle getauscht werden und Sammelbild-Ordner und Lego-Modelle auf Regalbretter zum Verstauben verdammt werden und Mandys, Jennifers oder Nathalies weichen müssen, die ihre sorgsam geföhnten, blonden oder braunen Mähnen publikumswirksam an Schulbushaltestellen oder Pausenhöfen nach hinten werfen und in knallengen Jeans die Blicke der Justin-Bieber-frisierten Herren unter Fünfzehn mit Kapuzenpullis und Turnschuhen auf sich zu ziehen wissen.


Aber dennoch ist es ein wunderbares, buntes Stück Leben, das so sicher auf jede Familie zukommt wie das erste Kids-Menue von „McDonalds“, die erste Klassenfahrt oder der erste Flaum unterm Rüssel (jedenfalls bei den Jungebern…), der nach langer Anzucht und Fürsorge dann endlich Papas Rasierschaum und Klingen weichen muss. Aber auch die Weiblichkeit wird nicht geschont: Mamas Schminkutensilien werden gerne vor ersten eigenen Käufen der Jungsäue ausprobiert, die mütterliche Frisur oder das Outfit schon öfter ´mal kritischen Blicken unterzogen bevor man es erlauben könnte, dass man bei der Party oder aus der Disco von den Eltern abgeholt würde und dies nicht als „peinlich“ bewertet würde…Ich habe diese „Eltern-sind-manchmal-doof“ – Zeiten unserer Ferkel sehr genossen und empfehle es Ihnen ebenso. So schnell wie sie kommen, gehen sie auch wieder vorbei und müssen dann meistens viel zu früh dem Erwachsensein weichen. Manchmal tauscht man ja selbst gern Anzug und Krawatte, „kurzes Schwarzes“ oder Businesslook gegen T-Shirt oder Jeans ( …na ja, dann aber schon von Designern) und lässt die eigene Jugendzeit mit Schlaghosen, Langmähne und „für-das-Moped-Sparen“ genüsslich Revue passieren.


Auch wenn wir noch nicht den Stress verkürzter „G8“ Schuljahre kannten und auch noch nicht mehrere Hundert sms auf der nach oben offenen Handy-Skala in den Äther schicken konnten, erinnern wir uns gerne dieser Jahre, in der wir weder „Fisch noch Fleisch“ waren.
Ich „ziehe“ mir dann im Stall gerne lautstark die „Beach Pigs“ ´rein und nehme mir wohl zum Hundertsten Male vor, nächstes Frühjahr die Familienkutsche gegen ein altes Cabrio zum Selberschrauben einzutauschen…Selbst wenn es dann doch nur beim guten Vorsatz bleibt, so finde ich es wunderbar, dass wir alle eine doch sehr behütete Kinder- und Jugendzeit genießen durften. Eine Gunst, die der Generation meiner Eltern leider verwehrt war und die ich meinen Ferkeln von Herzen gönne. Mal sehen wie es wird, wenn die Enkelferkel die Dinos und Piggy Potter entdecken oder von „Star Wars - the next Generation“ träumen werden…Ihr Eberhard von Porcus

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr von Porcus,
    ich darf Ihnen versichern, dass es immer wieder ein traumhafter Genuss ist, Ihre Gedanken zu lesen!

    Und in der Hoffnung, weiterhin und auch öfter von Ihnen lesen zu dürfen,verbleibe ich
    mit vorzüglicher Hochachtung
    omamo
    ;-)

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  2. Hochverehrte mo, selbstverständlich wird die Emission meines weltanschaulichen Gedankengutes auch in Zukunft einer recht permanenten Ausstoßquote unterliegen. Es ist mir Freude und Ehre, diese jenen dann mit Ihnen auch weiterhin virtuell zu teilen. Mit Gruß und besten Wünschen bin ich stets Ihr EvP

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